20. Februar 2020 - Reisebericht von Antje Ulpts

Nordmazedonien – (m)ein kleines Balkan-Abenteuer

Reisen, das liegt mir als Touristikerin quasi schon im Blut und daher liebe ich es auch, unterwegs zu sein und ferne Länder und Kulturen zu erkunden. Dass ich für viele spannende Ziele aber tatsächlich nicht einmal einen allzu weiten Weg zurücklegen muss, das habe ich schon während meiner letzten beiden Reisen nach Slowenien und Kroatien gemerkt. Und somit war mein neues Ziel auch schnell gefunden: Nordmazedonien -  denn ich wollte unbedingt auch noch den Rest der Balkanhalbinsel kennenlernen.

Das kleine Land, das nicht einmal so groß ist wie Baden-Württemberg, liegt zentral auf der Halbinsel und gehörte bis 1991 zum sozialistischen Jugoslawien. Vielen ist die Republik vermutlich eher unter ihrem alten Namen „Mazedonien“ bekannt.  Umgeben von Ländern wie Griechenland und Bulgarien verspricht die geografische Lage selbst im Herbst noch warme Temperaturen. So freue ich mich auch einige Tage vor meinem Flug bereits über die Wettervorhersage mit sensationellen 27 °C und einem wolkenlosen Himmel. Aber nicht nur das: auch die Landschaftsbilder mit schroffen Bergen, tiefen Schluchten und dem Ohridsee haben es mir angetan! Einige mögen sich nun vermutlich fragen: „Wie kann ein Land, indem bis vor ein paar Jahren noch Krieg herrschte, ein lohnenswertes Urlaubsziel sein?“ und „wieso sollte man gerade dort Urlaub am Meer machen?“ Für viele passt das vermutlich kaum zusammen und dennoch will ich das Abenteuer, allen Vorurteilen zum Trotz, wagen.

Gesagt, getan – Mitte Oktober 2019 packe ich nun meine sieben Sachen, um mich auf den Weg in den kleinen Binnenstaat in Südosteuropa zu machen. Mit im Gepäck: ganz viel Neugier auf die unbekannte Kultur,  die berühmte „Balkanküche“, von der so oft geschwärmt wird und nicht zuletzt die Frage, ob der Balkanstaat touristisch wohl mit seinen beliebten Konkurrenten wie Kroatien mithalten kann? Das alles werde ich jetzt herausfinden!

Tag 1: Hallo und gute Nacht, Skopje!

Heute geht es los - von Norddeutschland nach Nordmazedonien! Mein Flug in die Hauptstadt Skopje startet abends und dauert in etwa zweieinhalb Stunden. Vom internationalen Flughafen der Stadt, der ein paar Kilometer außerhalb vom Zentrum liegt, nehme ich ein Taxi und fahre für kleines Geld (20 Euro) zu meinem Hotel. 30 Minuten später und damit kurz vor Mitternacht erreiche ich mein Ziel, das Best Western Hotel Turist mitten in der City. Zwei Nächte verbringe ich nun hier und der erste Eindruck vom Hotel gefällt mir. Ein solides Stadthotel im typischen Best Western Stil, zwar etwas in die Jahre gekommen, aber sauber und vor allen Dingen ist der Rezeptionist auch noch um diese Uhrzeit sehr freundlich. Müde aber voller Vorfreude auf die kommenden Tage falle ich nur noch in mein (tatsächlich sehr bequemes) Bett – Gute Nacht, Skopje!

Doppelzimmer im Best Western Hotel Turist (16.10.2019)

Tag 2: Von unberührten Landschaften und einer modernen Großstadt

Ein paar Stunden Schlaf und eine Dusche später fühle ich mich am nächsten Morgen fit für den bevorstehenden Tag. Vormittags bin ich mit Sofia, einer lokalen Reiseleitung, verabredet, um Skopje sowie die nahegelegene Matka-Schlucht zu besichtigen. Aber vorher geht´s noch zum Frühstück! Im Vergleich zum deutschen Frühstück fällt dieses leider etwas mager aus. Dennoch ist für jeden etwas dabei, um satt zu werden – Cornflakes mit Milch, Weißbrot, Honig, Butter, Käse, Aufschnitt und sogar frische Gurken und Tomaten. Nur der Kaffee ist so gar nicht nach meinem Geschmack. Die kommenden Tage werde ich wohl oder übel auf Tee umsteigen müssen!

Sofia trifft mich am Hotel und gemeinsam starten wir zur ersten Etappe unseres Programms: Die Matka-Schlucht. Die Fahrt mit dem Taxi dauert ca. 20 Minuten und führt uns aus dem Stadtzentrum heraus in Richtung Gebirge. Nach einiger Zeit entdecke ich auf einem Schotterplatz ein paar parkende Reisebusse. Auch wir bleiben stehen, denn den Rest des Weges müssen wir zu Fuß zurücklegen. Etwa fünf Minuten später erreichen wir einen Staudamm und kurz darauf ein nettes Restaurant, malerisch direkt am Ufer des Matka-Sees gelegen. Hätte ich nicht eben erst gefrühstückt, wäre dies sicher der passende Ort für einen kleinen Snack gewesen! Vom Bootsanleger unterhalb des Restaurants steigen wir in ein kleines Ausflugsboot. Es ist noch etwas frisch, dafür ist der Ausblick einfach spektakulär – unter uns das türkisfarbene Wasser und direkt voraus blitzt die Sonne zwischen zwei hohen Felswänden hervor.

Bootsfahrt auf dem Matka-See (17.10.2019)

Zur Halbzeit unserer Bootsfahrt halten wir an einer unscheinbaren Treppe, die vom Ufer einen steilen Hang hinauf führt. Hier befindet sich die Vrelo-Höhle, die tiefste bisher entdeckte Süßwasserhöhle der Welt. Die Stufen hinauf und wieder hinunter lohnen sich, denn in der Höhle wurden die uralten Stalagmiten und Stalagtiten mit bunten Lichtern wunderschön in Szene gesetzt. Die Bootsfahrt zurück ist viel zu schnell vorbei und nach einer weiteren kurzen Taxifahrt sind wir wieder in Skopje. Hier genießen wir erstmal einen grandiosen Blick über die Stadt, der sich von den alten Festungsmauern der Burg Kale bietet und machen uns dann auf zu einem kurzen Spaziergang von der Burg über den alten Basar bis zur alten Steinbrücke. Einst hat diese das „alte“ und das „neue“ Skopje geteilt, erklärt mir Sofia, bevor Sie sich verabschiedet und ich den restlichen Tag für Erkundungen auf eigene Faust nutze.

Mein Resümee am Abend: gerade der neue Stadtteil ist super sauber und erinnert mit seinen zahlreichen neuen, pompösen Gebäuden und den vielen Statuen und Brunnen – übrigens alle im Rahmen des Projekts „Skopje 2014“ entstanden - schon sehr an eine westliche Großstadt. Im Gegensatz dazu ist die Altstadt mit dem Basar, den Moscheen und türkischen Bädern (Hamam) stark osmanisch geprägt. Hier erkennt man, wie Skopje viele gegensätzliche Kulturen vereint. Trotzdem - oder gerade deswegen - gefällt mir die Stadt und ich sage mir: „Irgendwann komme ich ganz bestimmt noch einmal hier her!“ Jetzt ist allerdings Schlafenszeit, denn morgen habe ich einen langen Tag vor mir.

Blick auf den Fluss Vardar und das „neue“ Skopje (17.10.2019)

Tag 3: Der Weg ist das Ziel!

300 km und über vier Stunden Autofahrt trennen mich morgens von meinem Tagesziel. Von Skopje, im Norden des Landes, werde ich heute über die Weinregion im Südosten und Bitola ganz im Süden des Landes bis an den berühmten Ohridsee reisen. Doch bevor ich mich auf den Weg machen kann, heißt es nach dem Frühstück zunächst „erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Denn jetzt stehen noch ein paar Hotelbesichtigungen in Skopje auf dem Plan. Ich starte mit dem TCC Grand Plaza Hotel, einem Hotel mit sieben Stockwerken, großen modernen Zimmern und einem Wellness-Zentrum. Weil es mit Parkplätzen in der Innenstadt eher schlecht ausschaut, befindet sich das TCC Grand Plaza Hotel, wie auch alle weiteren Hotels, die ich in Skopje besuche, etwas außerhalb vom Stadtzentrum. Anschließend wird es bunt. Das Ibis Styles Skopje sieht für mich auf den ersten Blick von außen wenig einladend aus, umso überraschter bin ich vom Inneren und den großen Zimmern. Der typische ibis-Stil wurde hier mit einer tollen Idee verknüpft und so hat jedes Zimmer nicht nur den Namen einer berühmten Stadt erhalten, sondern wurde mit einer Fototapete auch entsprechend gestaltet.

Zum Schluss besuche ich noch das Hotel Karpos. Stilistisch ähnelt es dem Best Western Turist und auch hier fallen mir wieder die großen Zimmer auf. Alles in allem empfehlenswerte Hotels, die allerdings in der Landeskategorie bewertet wurden. Bei der Auswahl des Hotels sollte man also etwas die Augen aufhalten, denn ein ****Hotel entspricht nach unseren Vorstellungen dann doch vielleicht eher einem ***Hotel.

Jetzt aber ruft endlich die Straße. Mit Sack und Pack steige ich ins Auto und mache mich auf den Weg. Während sich die Landschaft um mich herum langsam verändert, habe ich mein Ziel fest vor Augen und bald schon kann ich die ersten Weinreben erspähen. Mein Ziel, die Weinregion Nordmazedoniens ist nicht mehr weit!  Hier wird u.a. der bekannteste Wein des Landes „Tikves“ angebaut und produziert. Das gleichnamige Weingut werde ich heute allerdings nicht besichtigen, denn mich interessiert die „Royal Winery Queen Maria“ in Demir Kapija. 1928 gegründet und von königlichem Ursprung waren ihre Erzeugnisse früher nur dem Adel vorbehalten. Heute dürfen zum Glück auch Urlauber von diesem majestätischen Wein kosten. Auf dem Areal des Weinguts befindet sich neben einem schmucken Restaurant noch eine urige Weinbar und einige wunderschön gestaltete Appartements, in denen man sich wie in eine andere Zeit zurück versetzt fühlt. Auch wenn ich gerne länger bleiben würde, geht es für mich im Anschluss an die Führung aber schon weiter nach Bitola.

Weinbar der „Royal Winery Queen Maria“ (18.10.2019)

Einst war Bitola die zweitgrößte Stadt des osmanischen Reiches und mit ihren heute ca. 60.000 Einwohnern zählt sie für mich eher zu den beschaulicheren Städtchen. Zum Vergleich: in ganz Nordmazedonien leben heute rund zwei Millionen Menschen, rund 700.000 davon aktuell in der Hauptstadt Skopje.

Dennoch ist Bitola definitiv einen Besuch wert. Entlang der Einkaufsstraße finden sich neben zahlreichen Shops auch einige urige Restaurants und weil mein Magen knurrt, setze ich mich kurzerhand in eines der Lokale und studiere die Speisenkarte. Da ich gerne etwas Landestypisches probieren möchte, entscheide ich mich auf Empfehlung eines Einheimischen für eine Art Auflauf aus verschiedenen Käsesorten mit Champignons und Paprika, zu dem leckeres Brot gereicht wird. Das Essen ist zwar mächtig, aber auch mächtig lecker und so schlendere ich pappsatt und zufrieden noch ein wenig durch die Stadt, bevor ich mich für den letzten Teil der Strecke wieder ins Auto setze.

Abends – und endlich am Ziel angekommen - bin ich in Ohrid in einem traditionellen Lokal zum Abendessen verabredet. Da ich vom deftigen Mittagessen in Bitola noch gut gesättigt bin, bestelle ich nur einen „Shopska“, der in Nordmazedonien gerne als Beilagensalat serviert wird. Den milden Temperaturen sei Dank, kann ich den Abend auf der schönen Terrasse genießen und von hier auch immer wieder einen Blick durch die offene Tür ins Restaurants werfen, wo eine junge Tanzgruppe, begleitet von einem Akkordeonspieler einen Folkloreaufritt zum Besten gibt. Nicht nur für die Gäste im Restaurant, sondern auch für mich ein toller Tagesabschluss !

Tag 4: Oh du malerischer Ohridsee

Bei meiner Anreise gestern Abend war es schon fast dunkel und so kann ich erst heute Morgen über den tollen Ausblick aus meinem Hotel, dem Aqualina, staunen. Es liegt zwar etwas außerhalb von Ohrid, dafür aber direkt am Ufer des herrlichen Sees. Da die Saison sich allmählich dem Ende neigt, habe ich beim Check-In gestern sogar noch ein Zimmer mit Seeblick ergattern können. Viel Zeit, um die Aussicht zu genießen bleibt aber nicht. Immerhin will ich heute noch so Einiges sehen, bevor es morgen für mich schon wieder zurück ins kalte Deutschland geht!

Gleich zu Beginn steht heute Morgen mein absolutes Highlight für diesen Tag an – Ich besuche die Kirche des Heiligen Johannes Kaneo. Die kleine Kirche liegt direkt am Ufer des Sees und ist Euch bestimmt auch schon das ein oder andere Mal auf einem Bild begegnet. Mit den Zypressen und dem See im Hintergrund fühle ich mich ein bisschen wie in Italien!

Kirche des Heiligen Johannes Kaneo am Ohridsee (19.10.2019)

Ein paar obligatorische Fotos dürfen da natürlich nicht fehlen, bevor es zu Fuß weiter entlang des Sees bis ins Zentrum von Ohrid geht, wo ich mir ein paar Hotels ansehen werde. Zentral gelegen besuche ich hier das Hotel Millenium Palace - etwas altmodisch aber durchaus edel eingerichtet – und das Unique Resort & SPA - nagelneu und sehr modern. Die übrigen Hotels liegen, wie das Hotel Aqualina, etwas außerhalb der Stadt, aber dafür mit bestem Blick auf den See und sind allgemein etwas einfacher eingerichtet als die Hotels im Zentrum.

Nach den Hotelbesichtigungen fahre ich weiter zum Klosterkomplex Sveti Naum. 40 Minuten Autofahrt und einem tollen Blick über den See später erreiche ich fast die Grenze des Nachbarlandes Albanien. Wer bei einem Kloster jedoch an einen abgeschiedenen Ort mit schweigenden Mönchen denkt, liegt beim Kloster Sveti Naum falsch. Der weitläufige Komplex ist (nicht nur heute) gut besucht. Mit seinen zahlreichen Souvenirshops, einer großen Grünfläche am Ufer des Sees, auf der selbst im Oktober noch das ein oder andere Picknick oder Sonnenbad genossen wird, und mehreren Restaurants gibt es hier Einiges zu sehen und man kommt sich fast vor, wie in einem kleinen Freizeitpark.Wer möchte, kann sogar eine Bootsfahrt auf dem Fluss Crn Drim (Schwarzer Drim) unternehmen, aus dem der Ohridsee sein glasklares Wasser speist und welcher sich von hier aus durch Nordmazedonien und Albanien bis ins Meer schlängelt. Das darf ich mir natürlich nicht entgehen lassen! Also schnell noch einen Ruderer organisiert, rein in das Holzboot und los geht die Tour.

Fernab vom Trubel genieße ich die Idylle auf dem Wasser, während unser Ruderer uns gekonnt auf dem Fluss bis zur Quelle und wieder zurück zur Bootsanlegestelle manövriert.

Bootsfahrt zur Quelle des Ohridsees (19.10.2019)

Sicher zurück an der Anlegestelle angekommen, ist es höchste Zeit fürs Mittagessen und so suche ich mir einen Platz auf einer der Terrassen, um ein letztes nordmazedonisches Gericht zu probieren: Tavtsche Gravtsche. Das würzige Gericht aus weißen Bohnen und getrockneten Paprika ist köstlich und dazu, wie alle anderen Speisen zuvor, für unsere Verhältnisse mehr als preiswert! Zufrieden mache ich mich hinterher auf den Weg zurück nach Ohrid, um noch ein bisschen durch das Stadtzentrum zu bummeln. Mit dem See direkt vor der Nase hält es mich allerdings nicht sehr lange in der Stadt und es verschlägt mich dann doch wieder ans Wasser, wo ich den späten Nachmittag mit einem kühlen nordmazedonischen Bier auf der Außenterrasse eines der zahlreichen Cafés am Ufer des Ohridsees verbringe. Abendessen gibt es für mich heute im Hotel, damit ich am nächsten Tag früh in Richtung Skopje starten kann. Wow, wie schnell doch die letzten Tage wieder vergangenen sind!

Tag 5: Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal!

Heute heißt es Abschied nehmen. Schon früh sitze ich morgens im Auto, um ohne Umschweife nach Skopje zu fahren – immerhin liegen knapp drei Stunden Fahrt bis zum Flughafen vor mir. Die gut ausgebaute Landstraße führt parallel zur albanischen Grenze entlang zahlreicher kleiner Dörfchen, sodass ich auch ohne Zwischenstopp noch einige Moscheen mit ihren hohen Minaretten aus der Ferne bewundern kann. Pünktlich am Flughafen angekommen, heißt es nun „Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal!“ – denn ich komme ganz bestimmt wieder!

Obwohl ich von Nordmazedonien nur einen winzigen Bruchteil von dem erleben konnte, was dieses so ursprüngliche und gastfreundliche Land zu bieten hat, bin ich von diesem kleinen Balkanstaat ganz verzaubert.

Von einer Hauptstadt, die so authentisch den Flair einer modernen Großstadt mit ihren unterschiedlichen kulturellen Wurzeln verbindet, über verschiedenste Sehenswürdigkeiten, die von einer langen und spannenden Geschichte zeugen bis hin zu tollen Landschaften mit unberührter Natur hat das Land wirklich alles zu bieten. Mein Fazit: Nordmazedonien muss sich ganz und gar nicht verstecken, denn selbst ohne Meer hat das Land nicht zuletzt  wegen des Ohridsees mindestens genauso viel zu bieten, wie andere „Tourismusmagnete“ des Balkans!