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Närrische Gruppenreisen - den Jecken auf der Spur

Erleben Sie wie sich zur Karnevalszeit die bürgerliche Ordnung rund um den Globus für eine knappe Woche komplett verändert.

“Alaaf” und “Helau” - pünktlich um 11:11 Uhr am 11.11. jeden Jahres beginnt sie: die Karnevalszeit. Die Menschen werfen sich in bunte Kostüme, schminken sich oder tragen auffällige Masken und pflegen je nach Region zum Teil ulkige Traditionen. Haben Sie sich bei diesem ausgelassenen, schrillen Treiben schon einmal gefragt, warum Karneval oder auch Fasching überhaupt gefeiert wird?

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Damals…

Zum Ursprung dieser Festzeit gibt es unterschiedliche Meinungen. Drei Theorien sehen die Wurzeln entweder bei den Germanen, bei den Römern oder den Christen:
Bei den alten Germanen diente eine ähnliche Feierlichkeit dazu, die bösen Wintergeister zu vertreiben. Ja, die alten Germanen glaubten an Dämonen und so kleideten sie sich in gruselige Gewänder und verjagten mit einer Menge Krach diese bösen Geschöpfe, um gleichzeitig den Frühling zu begrüßen. Spannende Zeugnisse aus dem Zeitalter der germanischen Gesellschaft können Sie auf einer Reise in den Teutoburger Wald oder auch nach Köln - im römisch-germanischen Museum - entdecken:

Ein Mittelgebirge, zwei Naturparks und unzählige Geschichten und Geheimnisse: das ist der Teutoburger Wald. Kommen Sie mit auf Erkundungstour durch dieses einmalige Gebiet.
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Die Römer hingegen nutzten das gleiche Fest, um Saturn - dem Gott der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus - zu Ehren. Im Gegensatz zum Frühlingsfest der Germanen fiel das Saturnalienfest auf den Dezember. Nach einer Opfergabe vor einem Tempel ging es bei den Festlichkeiten vor allen Dingen um Ausgelassenheit, Feiern mit Freunden und Familie, sowie um die zeitlich begrenzte Aushebelung der römischen Standesgrenzen. An diesen Tagen feierten Erwachsene und Kinder, Herren und Sklaven gemeinsam, tranken und aßen:

„[…] Und so begehen sie den Tag: Auf dem Land und in den Städten feiern alle Fröhlich mit Schmausereien, und jeder bedient seine Sklaven. So auch wir Römer, und wir haben von dort auch die Sitte Überkommen, dass an diesem Tag Sklaven und Herren gemeinsam speisen.“

Lucius Accius

Römer quer durch Europa

Auf einer Gruppenreise nach Rom können Sie in diese und andere Geschichten der Stadt eintauchen und noch viel mehr über die Lebensweisen und Feste der Römer erfahren.

Rom - Weltgeschichte ganz nah!


Uns am wohl bekanntesten ist jedoch der Ursprung des Karnevals, der im Christentum gesehen wird. Vor Beginn der 40-tägigen Fastenzeit sollte noch einmal ausgiebig gefeiert und geschlemmt werden. Auch der lateinische Ursprung des Wortes Karneval deutet auf diese Herkunft hin  - „carne vale“ oder auch “carne levare“ heißt übersetzt so viel wie: „Fleisch lebe wohl“ oder auch „Fleisch entziehen“.

Und wie wird heute gefeiert?

Offiziell beginnt die Karnevalssession am 11.11. um 11.11 Uhr. In manchen Gemeinden finden dann bereits die ersten Umzüge statt, in den meisten Regionen beginnt das närrische Treiben jedoch erst ab dem 06.01. (Dreikönige) mit Karnevalssitzungen und Maskenbällen. Richtig rund geht es dann ab Weiberfastnacht - es wird gefeiert, geschlemmt und bunte Umzüge bahnen sich ihren Weg durch die Innenstädte. Ursprünglich bestand die Karnevalszeit aus drei „tollen“ Tagen - der Weiberfastnacht, dem großen Fastabend am Sonntag und dem Fastabend am Dienstag. Mit der Einführung der Rosenmontagszüge in Köln 1823 kam ein vierter toller Tag hinzu.

Zur Weiberfastnacht ist keine Krawatte sicher!

Doch wie letztendlich gefeiert wird unterscheidet sich nicht nur zwischen den Ländern, sondern auch schon zwischen den unterschiedlichen Regionen:

In Köln beginnt der Karneval mit der Wahl des „Dreigestirns“ - Prinz Karneval, Bauer und Jungfrau. Symbolisch überreicht der Bürgermeister anschließend dem regierenden Prinzen den Schlüssel zum Rathaus. Sollten Sie diesem Dreigestirn auf einer Gruppenreise ins Ruhrgebiet begegnen, dann vergessen Sie nicht ihnen mit der korrekten Ansprache „seine Tollheit“, „seine Deftigkeit“ und „ihre Lieblichkeit“ den gebührenden Respekt zu zollen. Der Karneval wird hier während der spektakulären Umzüge  mit viel „Alaaf“ und Kamelle gefeiert.

Faszination Ruhrgebiet

Regional gibt es Fasching, Fastnacht und Karneval

In Norddeutschland - genauer gesagt in Bremen -  findet im Frühjahr der größte Sambakarneval Europas statt. Nach seiner Premiere 1991 treffen sich bis heute rund 100 Sambatruppen aus Deutschland, Großbritannien, Polen und anderen europäischen Ländern um mit heißen Rhythmen und fantasievollen Kostümen durch die Straßen der norddeutschen Stadt zu tanzen. Lassen Sie sich dieses Spektakel bei einer Reise nach Bremen auf keinen Fall entgehen.

Moin Bremen!


Natürlich denken Sie bei Sambakarneval auch direkt an einen der prunkvollsten und zugleich bekanntesten Karnevals der Welt: den Karneval in Rio de Janeiro. Sechs Sambaschulen konkurrieren mit jeweils 3.000 - 5.000 Mitgliedern um den Titel als beste Escola de Samba. Bis zu 88.5000 Menschen können sich dieses Spektakel im Sambodromo live anschauen.

Wenn Sie nicht so weit reisen wollen, dann finden Sie einen etwas ruhigeren aber nicht weniger spektakulären Karneval in Venedig. Eröffnet wird dieser mit dem „Volo dell‘ Angelo“, bei dem ein Engel über den Markusplatz schwebt. Mit Umhängen und traditionellen Masken wird der Karneval hier bei historischen Kostümbällen zelebriert.  Aber auch außerhalb der Karnevalszeit ist der Besuch von Venedig und dem Markusplatz für Liebhaber der italienischen Küche und Architektur klar empfehlenswert.

Padua, prickelndes Venedig & die Proseccostraße


Wem das Karnevalstreiben in Deutschland zu turbulent ist, dem können wir eine Gruppenreise an die französische Mittelmeerküste empfehlen. Hier an der Sonnenküste, der Cote d’Azur, können Sie zwischen Palmen eine riesige Show mit Paraden, Umzügen und Blumenkorso bestaunen. Bereits 1294 sollen sich die ersten Besucher am Karneval von Nizza erfreut haben.

Karneval in Nizza

Karneval in Nizza

Das Mysterium rund um die Zahl 11

Warum aber nun genau ist die 11 so eine wichtige Zahl für den Karneval? Warum startet die Karnevalssession jedes Jahr am 11.11. und warum genau um 11.11 Uhr? Hierzu gibt es verschieden Mythen:

  • die 11 gilt als närrische Zahl unter den Zahlen. Die Zahl 10 steht für die 10 Gebote, die 12 als Zahl der Apostel Jesu und des Neubeginns. Die 11 liegt nicht nur zwischen diesen beiden bedeutenden Zahlen, sie überschreitet zudem vor allen Dingen die Norm der 10 Gebote und gilt daher als Symbol für Sünde, Völlerei und Maßlosigkeit. Kommen Ihnen diese drei Worte vielleicht auch beim Karneval in den Sinn?
  • viele Stadt- oder Kommunalgremien zählten im 19. Jahrhundert 10 oder 12 Mitglieder. Der Elferrat gilt daher als ironisches Pendent
  • ein Urkundensiegel von 1381 eines Faschingsclubs soll den Wahlslogan „Ey, lustig fröhlich“ tragen - abgekürzt „Elf“
  • laut dem Bauernkalender endet im November das landwirtschaftliche Wirtschaftsjahr. Zu dieser Zeit wird die Ernte eingefahren, die Mägde und Knechte erhalten ihren Lohn und beginnen ihre Ferien. Ein guter Zeitpunkt zum Feiern!
  • auch zur Vorbereitung auf Weihnachten kennt die Kirche eine vierzigtägige Bußzeit, den Advent. Diese Fastenzeit beginnt traditionell nach dem Martinstag, am 11. November, nachdem die Martinsgans genossen wurde
Traditionelle Pfannkuchen - bekannt als Berliner

Und was schlemmen die Narren in anderen Ländern?

Als wären Ursprung, Ablauf und Traditionen nun nicht schon mysteriös genug, gibt es noch unzählige Namen, die die einzelnen Tage dieser ungewöhnlichen Festzeit - Karneval, Fasching, Lent oder auch fünfte Jahreszeit - beschreiben. Uns am bekanntesten sind hierbei die Weiberfastnacht, der Rosenmontag und die Fastnacht am Dienstag - wobei dieser Dienstag (auch bekannt unter Shrove Tuesday, Mardi gras oder fetter Dienstag) der offizielle Schlemmertag des Karnevals ist. An diesem Tag soll noch ein letztes Mal richtig üppig gegessen und getrunken werden, bevor am Aschermittwoch die 40-tägige Fastenzeit beginnt. In der Vergangenheit nutze man diesen Tag, um die letzten Lebensmittel, hauptsächlich Fette, Milch und Eier zu verbrauchen.

Auf der britischen Insel wird der Dienstag nach Fastnacht direkt nach der Leckerei benannt: Pancake day! Wie zur Fastenzeit üblich sollen vorher noch die letzten tierischen Produkte, wie auch übriggebliebenen Fette verbraucht werden. Ideale Voraussetzungen für den Pfannkuchen. Die Heiden sehen diesen hingegen weniger als Möglichkeit Eier, Fett und Milch zu verbrauchen, sondern für sie symbolisiert der Pfannkuchen durch seine runde Form die Sonne - somit begrüßt der Pancake Day den beginnenden Frühling. Wenn Sie zu Beginn der Fastenzeit eine Gruppenreise nach Großbritannien planen, dann wundern Sie sich nicht, falls Sie hier und da auf Menschen treffen, die mit einer Pfanne und Schürze bewaffnet um die Wette rennen. Denn neben dem Verspeisen des Teigfladens ist auch das Pfannkuchen-Rennen eine wahre Tradition.
Das berühmteste Rennen, welches ebenfalls als Ursprung der Tradition angesehen wird, fand 1445 in der Stadt Olney, in der Nähe von Northampton, statt. Eine Frau, die gerade Pfannkuchen buk, hörte die Kirchenglocken, die zur Beichte riefen und lief überstürzt in ihrer Schürze mit der Bratpfanne in der Hand los. Am alljährlichen Rennen in Olney dürfen nur lokale Hausfrauen teilnehmen, die eine Schürze sowie einen Schal oder Hut als Kopfbedeckung tragen.

Im Herzen Englands

Für den perfekten Pfannkuchen benötigen Sie: 110g Mehl gesiebt, 1 Prise Salz, 2 Eier, 200ml Milch, 50 g geschmolzene Butter dazu Zucker und Zitrone. Traditionell werden die Pfannkuchen am Pancake Day mit Zucker und Zitrone gegessen.

Im skandinavischen Raum wird am Fastnachtsdienstag der Fastelavnsboller, Laskiaispulla oder Semla genossen. Traditionell handelte es sich hierbei um eine Heißwecke, die in einem tiefen Teller mit heißer Milch serviert wurde. Hinzukam eine Prise Salz und in manchen Teilen Schwedens ebenfalls eine Prise Zimt. Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird der Semla mehr und mehr als normales Gebäck ohne Milch gegessen. Stattdessen wird der Semla aufgeschnitten und mit Mandelmassa (ähnlich dem Marzipan) oder Konfitüre sowie reichlich Schlagsahne gefüllt. Bei einer Reise nach Stockholm sollten Sie vor der Fastenzeit also die Gelegenheit nutzen und neben den heißgeliebten Kanelbullar (Zimtschnecken) auch die Semla probieren.

Stockholm

Für das perfekte Fastnachtsgebäck benötigen Sie: 300 ml lauwarme Milch, 50 g Hefe, 1 TL Salz, 135 g Zucker, 2 TL Kardamom, ca. 500 g Mehl, 150 g Margarine sowie Marzipan/Marmelade und Schlagsahne für die Füllung.
Die Hefe in der Milch auflösen, Gewürze hinzugeben und mit den übrigen Zutaten kräftig verkneten. Aus dem Teig ca. 15 Bällchen formen und abgedeckt (im Warmen) gehen lassen. Anschließend die Bällchen mit Eigelb bestreichen und bei 250 °C backen. Nach dem Abkühlen einen Deckel von jedem Bällchen abschneiden. Für die Füllung entweder Marzipan/Marmelade und Schlagsahne nutzen oder das Innere der Bällchen ausschaben, mit Zucker, Vanillezucker, gemahlenen Mandeln und Sahne vermengen und als Füllung verwenden. Zum Schluss Puderzucker in Eiweiß auflösen und die Bällchen damit dekorieren
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Auch im Baltikum kennt man diese gehaltvolle süße Sünde, allerdings unter dem estnischen Namen „Vastelkukkel“ oder dem litauischen „Veja Kukas“. Doch auch Pfannkuchen werden im Baltikum gerne am Fastnachtsdienstag verspeist. Auf einer Gruppenreise in eines dieser drei sympathischen Länder sollten Sie sich auf keinen Fall entgehen lassen weitere regionale Gaumenfreuden Litauens, Lettlands und Estlands  schmecken zu lassen.

Eine kulinarische Reise durchs Baltikum

In vielen Ländern sind besonders süße Speisen oder Gebäck am Fastnachtsdienstag beliebt. Auch Italien ist hier keine Ausnahme. Hier genießt man ein papierdünnes Gebäck, welches in Fett ausgebacken wird. Je nach Variante werden die Galani - auch venezianische Crostoli genannt - in Dreiecken oder langen Streifen zubereitet und anschließend mit Puderzucker garniert. Auf einer Gruppenreise z.B. in die Toskana können Sie auch außerhalb der Karnevalszeit erleben, welche kulinarischen Höhepunkte dieses Land am Mittelmeer zu bieten hat.

Malerische Toskana

Für herrlich knusprige Crostoli benötigen Sie: 500g Mehl, 3 Eier, 2 Eigelb, 80 g Zucker, 1 Prise Salz, Zesten von 1 unbehandelten Zitrone, 30g Butter, 45ml Grappa oder Rum, etwas Öl zum frittieren und Puderzucker für die Garnitur

Das Mehl abwiegen und eine Mulde in der Mitte bilden. Eier + Eigelb, Zucker, Salz, Zitronenzesten, geschmolzene Butter und Grappa/Rum hinzugeben. Mit einer Gabel die Zutaten in der Mulde langsam vermengen, dabei immer mehr Mehl von den Seiten hinzunehmen. Anschließend den Teig mit den Händen verkneten. Den Teig in Klarsichtfolie einwickeln und 1 Stunde ruhen lassen. Hinterher den Teig in 7-8 kleine Portionen unterteilen und diese - am besten mit einer Nudelmaschine - dünn ausrollen. Ausrollvorgang so lange wiederholen bis der Teig dünn genug ist. Anschließend kleine Dreiecke (10x15cm) ausschneiden.

Einen Topf mit Sonnenblumenöl erhitzen. Bei 180°C nacheinander 3-4 Teigdreiecke frittieren - jeweils ca. 3 Minuten bis sie goldbraun sind. Auf einem Teller mit Küchenpapier ruhen lassen. Zum Servieren mit Puderzucker bestreuen. Entweder direkt genießen oder innerhalb der nächsten 12 Stunden.

Natürlich wissen auch die Fastnachtsliebhaber anderer Länder den letzten Schlemmertag richtig zu genießen: die Spanier wählen hierzu das Omlette, in Südamerika und Lousiana wird der King Cake gebacken, auf Island liebt man gesalzenes Fleisch und Erbsensuppe, auf Zypern genießt man ein mit Käse gefülltes Gepäck (Flaouna) und in Portugal kann man sich die Malasada schmecken lassen, die große Ähnlichkeit mit unseren Berlinern haben.

Falls Sie nun also - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den Geschmack gekommen sind, dann planen Sie mit uns Ihre ganz eigene Gruppenreise zu den schönsten Karnevals und den verrücktesten Jecken Ihrer Wahl.